Beitrag im «Bieler Tagblatt» vom 1.10.2020

Als eine der wenigen Sportarten konnten die Schwinger in diesem Jahr keine Wettkämpfe bestreiten. Für 2021 aber fordern Klubs und Aktive eine Rückkehr ins Sägemehl. Mit oder ohne Fans.


Beat Moning


Nur Training, keine Wettkämpfe, keine Ziele. Die Schwinger hat das Coronajahr hart getroffen, es hagelte Absagen. Nun macht man sich schon Sorgen, wie es im neuen Jahr sein wird. Der Aarberger Florian Gnägi, Vizepräsident des Schwingklubs Biel – und als Vertreter des Bernisch-Kantonalen Schwingverbandes zusammen mit vier weiteren Schwingern aus den anderen Teilverbänden (Pirmin Reichmuth, Armon Orlik, Andreas Döbeli und Steven Moser) im Athletenrat – nimmt kein Blatt und schon gar keine Maske vor den Mund: «2021 muss wieder geschwungen werden. Wenn nötig mit Geisterschwingfesten.» Entsprechend hat vorgestern auch der Eidgenössische Schwingerverband Richtlinien erlassen. «Schwingfeste 2021 zu 100 Prozent Ja», steht auf der Website geschrieben.

 

Der fünfköpfige Athletenrat ist mit dem Schwingverband daran, Konzepte auszuarbeiten und das Gespräch mit den Organisatoren zu suchen. OKs von Schwingfesten sollen Rückendeckung erhalten und sich auf verschiedene Varianten vorbereiten. «Es geht um den Sport. Eine weitere Saison ohne Schwingfeste können wir uns nicht erlauben», hält Gnägi fest. Es gehe nicht nur um die Erhaltung der Sponsoren, sondern um die Erhaltung der Sportler, vor allem auch der Nachwuchssportler, die in jungen Jahren oft zwei, drei Sportarten ausüben und dem Schwingsport womöglich den Rücken zuwenden könnten. «Soweit darf es nicht kommen», so Gnägi. «2021 muss auf jeden Fall wieder geschwungen werden», sagt der Aarberger bestimmt.

 

«Wie 2019 wird es nicht»

Verständnis kommt bei allen sportlichen Wünschen im Hinblick auf die Gesundheit aber durchaus auf. «Wir Schwinger sind uns beim Blick auf die Coronazahlen und auf die Einschränkungen aktuell im Sport und in der Kultur klar darüber, dass im Jahr 2021 nicht wie zuletzt 2019 geschwungen werden kann», fährt Gnägi fort. Auch der Schwingsport werde mit Einschränkungen leben müssen. Man braucht nicht Mathematik-Professor zu sein, um festzustellen, wo der Hebel angesetzt werden muss: Weniger Zuschauer heisst weniger Budget, weniger Budget heisst zum Beispiel Verzicht auf grosse Tribünenbauten. Oder: Der Posten «Aufwand» muss gesenkt werden. Gnägi sagt es so: «Alle sind sich derzeit grosse Zuschauermengen und viele Sponsoren gewohnt. Vielleicht muss ein Umdenken stattfinden. Früher wurde auch mit 2000 Zuschauern und nur einer kleinen Tribüne geschwungen.» Was für Gnägi wichtig ist: «Die Organisationskomitees brauchen eine gewisse Planungssicherheit, um finanziell ohne Schaden über die Runden zu kommen.» Auch wenn heute niemand wisse, wie es ab April coronamässig aussehen wird.

 

Büren, Täuffelen, Aarberg, Biel

Erstes Schwingfest im Seeland im neuen Jahr ist Ende Februar der Hallenanlass in Büren. Organisator Christian Wyss vom SK Unteres Seeland hält klar fest: «Wir wollen das Fest durchführen.» Notfalls nur mit sitzenden und wenigen Zuschauern. Eine Idee habe man bereits diskutiert: «Warum nicht eine Übertragung in ein offenes Festzelt nach draussen?» Auch Wyss sagt, dass es jetzt um den Sport gehe. «Darum, dass die Schwinger wieder wettkampfmässig antreten können.» Florian Gnägi sagt zum Bözingenberg-Schwingfest, das jeweils Anfang August stattfindet und bei dem er selber involviert ist: «Wir beabsichtigen nach der Absage in diesem Jahr, 2021 das Fest durchzuführen. Dass es Einschränkungen geben wird, ist uns klar.»

Schwieriger wird es für die Kranzfeste. Das Seeländische findet am 26./27.  Juni  in  Täuffelen  statt  (siehe Zweittext), das verschobene BernischKantonale mit einer Schlagernacht zwischen dem 6. und 8. August. Hier sind praktisch alle der über 10 000 Tickets verkauft, die Tribünen somit voll. Da wird auf das OK noch viel Arbeit zukommen. Allein die Kapazitätsfrage wird dem OK Kopfzerbrechen bereiten.

 

Download als PDF (mit freundlicher Genehmigung der W. Gassmann AG)